Körpersprache im Einstellungsinterview: So machen Personaler es richtig

Mitarbeiter kosten Geld. Starke Mitarbeiter kosten mehr Geld. Am teuersten aber sind Mitarbeiter, deren Stärken überschätzt oder falsch eingesetzt werden. Von entscheidender Bedeutung ist daher die Rekrutierung von entsprechend hochqualifiziertem und leistungsfähigem Personal. Eine der etabliertesten Rekrutierungsmethoden ist das Personalauswahlinterview.

 

In Personalauswahlinterviews kommt es primär darauf an, Fragen so zu stellen, dass diese den Interviewten öffnen und ihn in eine Antwortbereitschaft versetzen, ohne viel nachdenken zu müssen, darauf antworten zu können und es zu tun. Ferner ist es wichtig, die Fragen so zu stellen, dass der Bewerber nicht die vom Interviewer vorgegebene Richtung erkennt und dementsprechend antwortet.

Kommunikation besteht nicht nur darin, Wörter zu formulieren und zu äußern, sondern impliziert eine Aktivität des ganzen Körpers. Der Körper bildet allem Anschein nach die erste und grundlegendste Brücke in der sozialen Interaktion. Daher kommt der nonverbalen Kommunikation in Personalauswahlinterviews eine besondere Bedeutung zu. Interviewer und an der Personalauswahl Integrierte sollten dahingehend sensibilisiert werden, außer auf Worte und Inhalte auch auf Faktoren der nonverbalen Kommunikation zu achten. Das eigene Verhalten der Interviewer kann Interviewte beeinflussen. Denn auch Interviewer setzen permanent Signale, die der Interviewte bewusst oder unbewusst registriert, deutet und auf die er entsprechend reagiert. Diese Signale können das Gesprächsziel, die Überprüfung des Passungsverhältnisses, unterstützen oder erschweren, denn diese Wahrnehmungen steuern ein Gespräch oft mindestens so stark wie die gesprochenen Worte. Interviewer können positive, unterstützende nonverbale Signale senden oder sie senden einschüchternde, ablehnende Signale. Letztere erhöhen die Gefahr, dass sich der Interviewte verschließt, was sich auf das Gesprächsergebnis kontraproduktiv auswirkt.

Im Folgenden werden Interviewern von Personalauswahlgesprächen, in Anlehnung an den erfolgreichen Personalentwickler und -berater Michael Lucas, einige der wichtigsten Grundregeln nonverbaler Kommunikation zur Verfügung gestellt. Diese Tipps helfen Ihnen, eine positive Gesprächsatmosphäre und eine offene Haltung von Bewerbern zu bewirken und aufrechtzuerhalten:

– Die Gesprächspartner sollten sich nicht frontal gegenübersitzen, sondern im 90°-Winkel an dem Tisch.

– Wichtig ist es, eine offene und entspannte Körperhaltung einzunehmen.

– Es sollte vermieden werden, dauerhaft die Arme vor der Brust zu verschränken.

– Bei übereinandergeschlagen Beinen sollte darauf geachtet werden, dass die Knie nicht zu sehr in die Höhe und in Richtung auf den Kopf des Interviewten gestreckt sind.

– Förderlich ist ein sich seitlich zum Bewerber-Hinwenden und nicht ein Sichabwenden.

– Eine seitlich schräg zurückgelehnte Körperhaltung sollte vermieden werden.

– Eine zu offensiv nach vorn gebeugte Haltung sollte vermieden werden.

– Die Körperhaltung sollte natürlich und aufgerichtet sein und Haltung annehmen.

– Bei der Distanz sollte darauf geachtet werden, dem Bewerber nicht zu nahe zu kommen. Von Kopf zu Kopf sollte ein Abstand von 70 – 80 cm eingehalten werden.

– Eine freundliche Mimik und ein gelegentliches Lächeln sollten das Einstellungsinterview begleiten.

– Es sollte immer wieder Blickkontakt zum Interviewten gehalten werden, wobei ein pausenloses Anstarren zu vermeiden ist.

– Es sollten Bestätigungssignale durch (unmerkliches) Kopfnicken erfolgen.

– Mit dem Zeigefinger auf den Interviewten zu zeigen, oder andere oberlehrerhafte Gesten, sollte vermieden werden.

Wenn Interviewer die nonverbalen Komponenten in gleicher Bedeutung wie die verbalen und paraverbalen Aspekte und Komponenten in die Überprüfung des Passungsverhältnisses berücksichtigen, können Personalauswahlinterviews auch in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit erfolgreich geführt werden. Wird die kommunikative Kompetenz in Personalauswahlinterviews erhöht und werden kommunikative Mittel gezielt genutzt, können kostspielige Personalinvestitionsentscheidungen vermieden und das Unternehmen vor teuren Fehlentscheidungen bewahrt werden.